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Von Walther Becker, Frankfurt, Börsen-Zeitung, 27.9.2019

Marco Brockhaus, der mit seiner Private-Equity-Gesellschaft früh an Wirecard und 360T (an die Deutsche Börse verkauft) beteiligt war, strebt möglichst im nächsten Jahr an die Börse. Er geht davon aus, dass die 2017 gegründete Brockhaus Capital Management AG (BCM) dann reif und fit ist für den Prime Standard, wie er im Gespräch mit der Börsen-Zeitung sagte. Seine Vision: ,,die profitabelste Technologiegruppe in Deutschland‘‘ – mit langfristigem Horizont.

Bekannt wurde der heute 51-Jährige in der Szene mit der 2000 gegründeten Brockhaus Private Equity, die drei Fonds aufgelegt hatte. BCM soll Investoren die Möglichkeit bieten, sich an wachsenden und profitablen ,,Hidden Champions‘‘ über den Kauf von Aktien zu beteiligen. Zudem werde auf die in Private Equity üblichen Managementgebühren und Erfolgsbeteiligungen verzichtet, hatte er angekündigt.

Nach einer Kapitalerhöhung von 50 Mill. Euro läuft nun die nächste Privatplatzierung an, die bis zu 100 Mill. Euro einspielen soll. Investoren seien Family Offices, Unternehmer und Manager – auch von bisherigen Portfoliofirmen. War der Aufbau im Dezember 2018 mit dem Partikelmesstechnikspezialisten Palas aus Karlsruhe gestartet worden, so hat Brockhaus zwei neue Deals in petto: in IT und Medtech. Dafür soll der Mittelzufluss aus der Kapitalerhöhung genutzt werden. Sind die Transaktionen in trockenen Tüchern, sei die BCM, die anders als Private Equity nicht immer auf den Exit schielen soll, börsenreif. ,,Wir suchen Innovationsführer mit Wachstumsperspektiven von mindestens 25% im Jahr und Margen von jenseits 30 %‘‘ (vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen), sagt Brockhaus. Und die kriege man auch. Palas sei zu nicht einmal dem 10-Fachen des Ebitda erworben worden. Allerdings habe BCM, an der Brockhaus und sein Team nach der Kapitalerhöhung etwa ein Drittel halten wollen, auch ,,mehr als 1000‘‘ mögliche Fälle gescreent und sei drei Due Diligences angegangen. ,,Wir sind extrem selektiv‘‘, betont er. Und solche Deals sind nicht so leicht zu einer attraktiven Bewertung zu finden, auch wenn Brockhaus nach 20 Jahren im Markt über ein größeres Netzwerk verfügt, auf M&A-Berater hört und sich auf Branchenmessen tummelt.

Brockhaus‘ Vorbild ist die Beteiligungsgesellschaft Ropers Technologies aus Florida, die seit 1992 an der Nasdaq notiert ist, stetig steigende Ergebnisse generiere und den gleichen Fokus habe wie Brockhaus. Ihre Portfoliofirmen sorgten 2018 für Umsätze von 5,1 Mrd. Dollar, ein Ebitda von 1,7 Mrd. und einen freien Cash-flow von 1,4 Mrd. Dollar. Roper hat das, was Brockhaus vorschwebt, im Programm: Die Vorteile von Private-Equity-Returns aus Direktbeteiligungen mit der liquiden Aktie zu vereinen. Die Nachteile der Fondsstruktur – Wertpotenziale wegen des Exitdrucks auf dem Tisch liegen zu lassen – sollen mit dem Wegfall des Private-Equity-Investmentzyklus vermieden werden.

190927 Börsen Zeitung Brockhaus Capital peilt IPO 2020 an BILD